
Herzlich willkommen!
Herzlich willkommen hier im Südpark zum Klingenpride 2025 – zum vierten Mal feiern wir hier Vielfalt und Querness, frei, bunt und laut. Wir feiern die Freude am Leben und den Stolz an unserem individuellen Sein – und die Gemeinsamkeit so vieler verschiedener Menschen unter der Regenbogenflagge!
Herzlich willkommen, wie schön, dass ihr alle da seid und dass ihr dabei seid, heute beim Fest und überhaupt in unserer Stadt!
Ich habe mich sehr gefreut, zur Schirmherrin und um die Eröffnung heute gebeten worden zu sein – weil eine Gesellschaft, die die queeren Communitys ganz selbstverständlich als wesentlichen Teil ihrer selbst versteht, mir seit vielen Jahren ein Herzensanliegen ist. Und weil ich mich seit langem dafür einsetze, dass meine evangelische Kirche zum safe space wird angesichts von Anfeindungen und Ausgrenzung.
Ich erinnere mich an eine Begegnung vor rund 40 Jahren – ich war Theologiestudentin und mit einem Freund für ein paar Tage in einem holländischen Ferienpark. Wir renovierten das Ferienhäuschen seiner Eltern und liehen uns vom Nachbarn Werkzeuge. Abends dann kam dieser Nachbar herüber und wir kamen ins Reden, ich erzählte von Tübingen, wo ich studierte, von schwulen Freunden und der Gruppe „Homosexuelle und Kirche“, bei der ich Mitglied war. Der Nachbar wurde still. Und dann fragt er mich: „Du studierst wirklich Theologie?“ „Ja“, sagte ich. „Und du wirst Pfarrerin?“ „Ja“. „Dann sag mir: Glaubst du, dass Gott homosexuelle Menschen liebt und annimmt und so gewollt hat, wie sie sind? Glaubst du das?“ Er fragte das so eindringlich, ich spürte, wie wichtig meine Antwort für ihn war. Ich habe tief Luft geholt und gesagt: „Ja, das glaube ich. Ich bin fest davon überzeugt, dass Gottes Liebe größer ist als das, was wir jetzt für normal halten. Ich bin sicher, dass Gott homosexuelle Menschen gewollt hat und annimmt und liebt.“ Was er geantwortet hat, weiß ich nicht mehr. Aber ich erinnere mich daran, dass ich mit dem Gefühl einer Verpflichtung nach Hause fuhr, der Verpflichtung, mich dafür einzusetzen, dass das, was ich da als meine Glaubensüberzeugung gesagt hatte, spürbar und sichtbar wird in der Kirche und darüber hinaus.
In diesem Jahr ist das wieder besonders wichtig!
Wir erleben vermehrt Störungen und Angriffe auf CSD-Paraden und Pride-Feste. 55 sollen es in 2024 gewesen sein, in diesem Jahr sind es nicht weniger. Teilnehmende sagen: „Die Angst geht jetzt immer mit.“ Ein Symbol der Solidarität wie die Regenbogenflagge auf dem Reichstagsgebäude blieb dieses Jahr aus. Um ‚neutral‘ zu sein – und offensichtlich wird Neutralität dann heteronormativ gedacht. Das ist ein Rückschritt und eine bedrohliche Entwicklung!
Darum ist es wirklich wichtig, dass wir heute hier sind! Und für die Sichtbarkeit queerer Lebensformen sorgen, und für ihre Sicherheit!
Denn wo Neutralität einfältig wird, müssen wir parteilich sein für Vielfalt!!!
Die Evangelische Kirche im Rheinland hat sich zu dieser Parteilichkeit bekannt. Und sie bereut, dass sie selbst queere Menschen diskriminiert hat. Dafür bittet sie vor Gott alle um Vergebung, denen dadurch Unrecht und Leid widerfahren ist. Diese Bitte um Entschuldigung möchte ich hier ausdrücklich wiederholen: Ich bitte alle, die durch diskriminierendes Reden und Handeln der evangelischen Kirche verletzt wurden, herzlich um Vergebung!
Wir feiern heute mit vielen Regenbogenflaggen!
Der Regenbogen ist in der Bibel ein Symbol für den Bund Gottes mit allen Menschen und ein Versprechen göttlichen Segens für alle Menschen – wie auch immer sie sind, wen auch immer sie lieben, was auch immer sie glauben. Heute sehen wir in den vielen Farben des Regenbogens die Vielfalt der Individuen und Communitys – alle Farben und Schattierungen und Übergänge gehören dazu. Menschheit ist nur in Vielfalt und Vielfarbigkeit denkbar.
Gott, so sagen Christenmenschen, ist dreifaltig. Liebe, so sagen sie, ist vielfältig, und Leben entfaltet sich im Miteinander aller Geschöpfe.
Darum steht der Regenbogen für Vielfalt und für den Zusammenhalt – keine Farbe ist allein schon ein Regenbogen.
Lasst uns darum feiern: Frei, bunt und laut!

