Installation von Ulrike Bruchhaus, Studio B´haus; Musik arrangiert von Stephanie Schlüter

Frieden?
Heute vor genau einem Jahr.
Am Abend, am ersten Abend des Festivals der Vielfalt.
Der Frieden zerbrach.
Schreie, Schmerz, Entsetzen. Durcheinander, Rettungseinsätze, dann Fassungslosigkeit. Tod. Verletzungen. So viel Blut. Der Boden ging uns unter den Füßen weg.
Frieden? Nein, da war kein Frieden mehr. Da war Angst, war Schockstarre und Trauer. Die besorgten Fragen per WhatsApp: ‚Wo bist du? Bist du ok?‘ Der bittere Moment, wenn die Antwort nicht: ‚Ja, ich bin o.k.‘ lautete. Lähmung. Dann, etwas später, die Erleichterung darüber, knapp entronnen zu sein, weil man eben ein Bier holen ging. Oder die Erfahrung, dass die Bilder nicht wieder aus dem Kopf gehen, wochenlang nicht.
Der Boden ging uns unter den Füßen weg.
Der Frieden zerbrach.
Heute vor genau einem Jahr.
Am ersten Abend des Festivals der Vielfalt.
Frieden!
In den Tagen und Monaten danach.
Seit diesem Abend: Gespräche. Hilfe. Wut.
Wir finden uns nicht ab.
Zusammenhalt und Auseinanderfallen. Türen öffnen sich, Menschen kommen zusammen und wehren sich, gegen die Ohnmacht. Aber auch: Menschen spüren, wie verschieden sie betroffen sind. Für viele gibt es Trost. Und andere bleiben außen vor.
Schuldzuweisungen tauchen auf, der Wunsch, irgendjemanden verantwortlich machen zu können, dafür, dass ein Täter zum Täter werden konnte. Der Versuch, Lösungen zu finden, politisch, moralisch, so eindeutig wie möglich. Uneinigkeit, Abgrenzung voneinander. Und Zusammenfinden, um etwas zu tun, etwas entgegenzusetzen.
Da ist Energie, da ist Protest, da ist Konflikt und Aufbegehren und Trotz.
Frieden! Jetzt erst recht! Auch wenn Zerbrochenes nicht wieder ganz, nie wieder heil wird.
Wir finden uns nicht ab.
In den Tagen und Monaten danach.
Frieden.
Heute ist der erste Jahrestag. Der Abend des 23. August 2024 ist Teil unseres Lebens geworden.
Wir halten inne. Zwischen Erinnerung und Zukunft.
Deutlich spüren wir die Brüche, die Risse, da, wo der Boden uns unter den Füßen wegging vor einem Jahr. Es ist nicht alles wieder gut.
Manche sind noch mittendrin, in der Trauer, kämpfen mit den Folgen, körperlichen und seelischen.
Aber wir hoffen, auf Sicherheit und Leichtigkeit. Die Stadt feiert wieder. Und sie gedenkt der Ermordeten und Verletzten, der Betroffenen. Beides, gleichzeitig.
Frieden. Unser Gleichgewicht ist noch wackelig. Die Fragen, was zu tun sei, sind nicht beantwortet. Übers Jahr ist so viel passiert. In Magdeburg. In Aschaffenburg. In Mannheim. Lösungen sind nicht da. Aber wir suchen danach, gemeinsam, hartnäckig. Um des Friedens willen. Weil wir Frieden brauchen für unser Leben.
Wir halten inne. Zwischen Erinnerung und Zukunft. Heute, am ersten Jahrestag.
Der Abend des 23. August 2024 ist Teil unseres Lebens geworden.


