
(1) Gott, unser Anfang, wie machtvoll klingt dein Name auf der ganzen Erde! Deine Herrlichkeit strahlt über dem Himmel auf! (…)
(2) Ach Gott, deine strahlende Herrlichkeit sehe ich kaum. Und dein Name hat viel von seiner Macht verloren, wenn ich mir die Erde ansehe!
(1) Schaue ich hinauf zum Himmel, staune ich über das Werk deiner Finger.
(2) Ja, richte meine Augen auf den Himmel. Lehre mich wieder das Staunen über dein Werk!
(1) Betrachte ich den Mond und die Sterne die du dort oben befestigt hast, so frage ich: Was ist der Mensch, dass du an ihn denkst? Wie wertvoll ist das Menschenkind, dass du dich um es kümmerst?
(2) Was ist der Mensch? Wir erleben, wie zerbrechlich das Leben ist.
(3) Wie Messer zur Mordwaffe wurden und ein Stich in die Halsschlagader alles zerstört.
(2) Was ist der Mensch? Wir erleben, wie zerbrechlich das Leben ist.
(3) Wie Panzer und Bomben Menschen töten und Städte zerstören und wie Hungersnot zur verheerenden Waffe wird.
(2) Was ist der Mensch? Wir erleben, wie zerbrechlich das Leben ist.
(3) Wie Flucht und Gefahr in Todesnot bringen und wie Perspektivlosigkeit und Fremdheit Hoffnung aufbrauchen.
(2) Wie groß ist der Wert eines Menschen? Gott, sag du!
(1) Kaum geringer als Gott – So hast du den Menschen geschaffen. Du schmückst ihn mit einer Krone – Sie verleiht ihm Herrlichkeit und Würde!
(2) Eine Krone. Herrlichkeit und Würde.
(3) Wie geht das zusammen mit der Zerbrechlichkeit? Wie geht das zusammen mit Bosheit und Mordlust? Wie geht das zusammen mit Schmerz, Leid und Ungerechtigkeit?
(2) Eine Krone, Gott. Du setzt uns die Krone auf. Uns allen. Du gibst uns Herrlichkeit und Würde. Über alles Leid und auch über den Tod hinaus.
(1) Die Werke deiner Hände hast du uns anvertraut. Alles hast du uns zu Füßen gelegt.
(2) Und wir, Gott, wir sollen das alles nicht mit Füßen treten. Wir sollen es bewahren und beschützen. Wir sollen staunend und wertschätzend umgehen mit deiner Schöpfung und mit unseresgleichen.
(3) Darum, Gott, gedenken wir derer, die vor einem Jahr ermordet und verletzt wurden. Wir erinnern uns an sie und trösten uns damit, dass du sie in deine Hut nimmst. Darum, Gott, setzen wir uns ein für diese Stadt, die so verwundet wurde. Wir setzen uns ein dafür, dass in ihr Zukunft und Hoffnung wachsen – und dass in ihr Herrlichkeit und Würde aller geachtet werden.
(1) Gott, unser Anfang, lehre uns Ehrfurcht und Staunen vor deinem Werk. Amen.


