Gedenkminute zu ersten Jahrestag, 21:30

Willkommen, hier, heute Abend, genau ein Jahr nach dem Messer-Anschlag auf das Festival der Vielfalt, auf das Fest für die ganze Stadt zum 650. Geburtstag Solingens.

Willkommen, und danke, dass Sie gekommen sind, dass ihr gekommen seid.

Wir sind hier zu dieser Uhrzeit zusammengekommen, um zu gedenken, uns zu erinnern an den Abend vor einem Jahr mit all dem Schrecken, dem Schock, dem Schmerz.

Wir wollen innehalten und still werden.

Heute Abend denken wir an die, die vor einem Jahr ermordet wurden, Ines, Florian und Stefan. An ihre Familien, Freunde und Freundinnen.

An die, die schwer verletzt wurden und die bis heute und vielleicht noch lange körperlich und seelisch unter den Folgen leiden. An Augen- und Ohrenzeuginnen und alle, die das Schreckliche aus nächster Nähe mitbekommen haben.

Wir denken an die Einsatzkräfte, die Ersthelfer, das Team der Gläsernen Werkstatt, die Notfallseelsorger:innnen, alle die, die in den ersten Minuten und Stunden da waren und halfen und retteten.

Wir denken an die, die auf dem Fronhof waren und sich im Moment der Tat ein Bier oder so was geholt haben, die darum entronnen sind und denen trotzdem der Schreck in die Glieder gefahren ist.

Wir denken an das Team der Stadtkirche, die Dienststellen der Stadt, die vielen Einzelnen, die Gruppen und Vereine, die geholfen und getröstet haben in den Tagen danach.

Wir denken an die Anrainer des Fronhofs, die, die hier wohnen oder ihr Geschäft betreiben, die jeden Tag auf den Platz gucken oder gehen und von denen einige immer noch ein mulmiges Gefühl haben.

Wir denken an die, die in den Tagen und Wochen danach angefeindet und angepöbelt wurden, Kommunalpolitiker:innen, Zugewanderte und Geflüchtete, Solinger:innen mit Migrationsgeschichte, Kirchenleute und andere.

Wir denken an die ganze Stadtgesellschaft, die Solinger:innen, die mit dem Schock und den Folgen und der Erinnerung leben müssen und in deren Jahreskreis wieder ein Tag schwierigen Gedenkens markiert ist.Wir wissen, wie verschieden das Geschehen uns noch belastet. Wir ahnen, von wie vielen Betroffenen und welchen Folgen wir gar nicht wissen, wissen können. Aber wir alle können einander versprechen: wir nehmen das Erleben aller ernst, wir wiegeln nichts ab, wir hören einander weiterhin zu und sind füreinander da.

Jetzt, in diesem Moment! Ich lade euch und Sie jetzt ein, einander die Kerzen anzuzünden – geben wir uns das Licht und die Wärme der Flammen gegenseitig weiter.

Wenn das Licht bei allen angekommen ist, hören wir drei Glockenschläge und wollen still werden für eine Weile und Ruhe haben für unsere je eigenen Gedanken, oder Gebete, oder Klagen und Fragen.

Ich danke Ihnen! Ich danke Ihnen für diesen Moment gemeinsamer Trauer und Erinnerung.

Nehmen Sie, wenn wir gleich auseinander gehen, diesen Moment mit, und die Gewissheit, dass alle, die das wollen, auch weiterhin offene Ohren finden für ihre Gefühle und Erinnerungen, Gesprächspartner:innen und Weggefährt:innen, hier in der Kirche und an vielen Orten der Stadt!

Nehmen Sie, wenn wir gleich auseinander gehen, diesen Moment des Friedens mit und damit die Hoffnung auf Frieden in unserer Stadt, zwischen all ihren Bürger:innen und Bewohner:innen. Nehmt diesen Moment des Friedens mit und erzählt davon, gebt den Frieden weiter.

Friede sei mit euch! Bleibt behütet und kommt gut nach Hause!